Römer, Frankfurt am Main, Deutschland


Die Beleuchtung des Roemers stellt voellig andere Anforderungen an ein Beleuchtungskonzept als die Illumination von wirtschftlichen Unternehmenssitzen wie etwa von Firmenzentralen oder Hochhaeusern.
Die Staedte von heute veraendern ihr Image und ihre Qualitaet immer mehr durch die Gestaltung mittels Kunstlicht. In Frankfurt sind nicht mehr nur die Kronen einiger Hochhaeuser weiss beleuchtet. Waren die Hochhaeuser ohne Lichtgestaltung nachts nach Feierabend kaum oder gar nicht in der Dunkelheit zu erkennen, so sind einige von ihnen jetzt durch realisierte Lichtkonzepte zu neuen Wahrzeichen der Stadt geworden. Hier geht es nicht nur um sich zur Schau stellen, es geht auch um Identifikation des Ortes und seiner Buerger, Orientierung, Sicherheit, eine ganzheitliche Qualitaet des Nachtbildes der Stadt.

Stellen sich die Bankentuerme vornehmlich in der Farbigkeit des Hauses dar, und ragen sie allein durch ihre Hoehe, und damit die Fernsicht betreffend, ueber allem leuchtend empor, so sind die Beleuchtungsanforderungen an den Roemer voellig andere.

Der zerbombte und rekonstruierte Roemerberg und der Roemer, der kleine „ historische“ Teil Frankfurts, das Herz der Stadt, sollte nicht konkurieren mit dem Wettrennen der Tuerme, dem Glanz und dem Drang nach Selbstdarstellung. Diese Insel der Stadt sollte der Entstehungszeit gerecht werden, sie sollte besinnliches Kleinod werden, einladen zum Ruhen und Verweilen. Hier sollte die schlafende Stadt zu geniessen sein. Das Lichtkonzept sieht eine Grundanstrahlung im Farbton des Tagesbildes vor. Die sandsteinfarbenen Boegen der Eingaenge und Fenster im Ergeschoss werden dezent herausgearbeitet und hervorgehoben.
Die das Haus schmueckenden Kaiserfiguren mit ihrem Goldschmuck ueber dem Balkon werden durch eine symetrische, warmweisse Ausleuchtung erhaben und dennoch nicht uebertrieben vom Balkon aus akzentuiert.

Die Schieferdaecher des Roemers werden in fast unmerklichem Blauton getaucht, damit sie nicht im Schwarz der Nacht gaenzlich verschwinden. Das zarte Blau verleiht dem Gebaeude die notwendige optische Tiefe, und nimmt dem Gebaeude bei Nacht die Anmutung einer Kulissenfassade.

Die Fenster des Rathauses glimmen von Innen heraus, das Motto koennte heissen „ die Kerzen im Fenster“. Dieses Innere Licht soll nicht den falschen Eindruck erwecken, im Roemer werde die Naechte durch gearbeitet. Es suggeriert eher den ruhenden aber dennoch lebendigen Nachtzustand.

Einige finden die neue Illumination des Roemers als zu schwach. Ich denke und wuensche mir, der ganze heutige Roemerberg sollte seine Qualitaet nicht durch zu viel und zu hell einbuessen, sondern umgekehrt seine Qualitaet durch Zartheit, Ruhe und Vertraeumtheit erhalten. Vielleicht kann man in Zukunft allein hier im Zentrum der Stadt nachts doch noch den ein oder anderen Stern am Himmel erkennen.